Qualitätszirkel - Allgemeines

Zur Entwicklung des Weges der Schulentwicklung an der Berufsschule und der Wirtschaftsschule Garmisch-Partenkirchen

Nach einer Reihe von Einzelmaßnahmen in Form von pädagogischen Tagen wurde 2001 an der Berufsschule eine Steuergruppe vom Kollegium gewählt, die bis Anfang 2004 bestand. Das Problem dieser Steuergruppe bestand darin, dass es kein Leitbild der Schule gab mit einer Prioritätenbildung hinsichtlich der Ziele, die vorrangig angegangen werden sollten. Die Steuergruppe konnte daher den eigentlichen Zweck nicht erfüllen, nämlich Prozesse zur Entwicklung von Maßnahmen im Hinblick auf die Erreichung von Zielen zu organisieren. Es gelang auch nur ansatzweise, sich in der Steuergruppe auf gemeinsame Ziele zu einigen, so dass sich die Arbeit der Steuergruppe auf die Findung von Themen für pädagogische Tage und deren Durchführung konzentrierte.

Seit 2004 wird der Schulentwicklungsprozess weitgehend von den Qualitätszirkeln getragen, die zu für die Entwicklung der Schule relevanten Themen eingerichtet wurden.

Die Vorgabe der Schulleitung beschränkt sich auf die Themen (Entwicklungsschwerpunkte) der Qualitätszirkel.

Die Mitglieder der Qualitätszirkel bestehen - soweit es diese gibt - aus den Funktionsträgern für einen bestimmten Bereich, z.B. den Fachbetreuern, die dann auch den Vorsitz im Qualitätszirkel haben, in der Regel 3 bis 4 Lehrkräften, die sich freiwillig dafür gemeldet haben, und – je nach Thematik – Vertretern der betrieblichen Seite oder Eltern sowie dem Schulleiter.

Die Qualitätszirkel treffen sich in der Regel alle 4 bis 6 Wochen von 15.00 bis 17.00 Uhr.

Das grundsätzliche Ablaufschema zeigt die nachfolgende Darstellung.

In den Qualitätszirkeln I, II, III, V, VII ist inzwischen die Phase der Erarbeitung der Ziele für die unterschiedlichen Entwicklungsschwerpunkte abgeschlossen.

Dieser Phase liegt ein abgewandeltes Modell aus Südtirol („Lernen mit kritischen Freunden“) zugrunde. Dabei hat jedes Mitglied des Qualitätszirkels die Möglichkeit aus der eigenen Erfahrungswelt (Berufslandschaft) heraus die eigene Sichtweise zur Thematik hinsichtlich der Stärken und Schwächen darzustellen und am Ende ein oder zwei Ziele zu formulieren, die aus der Sicht des Mitgliedes besonders bedeutsam sind im Hinblick auf die Thematik.

Es hat sich gezeigt, dass dieser Schritt besonders wichtig ist und dass man für diese Phase viel Zeit einplanen muss. Das Darstellen der eigenen Erfahrungswelt – verbunden mit der Möglichkeit, in Form des „analytischen Fragens“ nachfragen zu dürfen -, trägt dazu bei, dass zwischen den Mitgliedern viel Verständnis für die Sichtweise der anderen Mitglieder und eine hohe Vertrauensbasis untereinander entsteht. In ganz besonderer Weise gilt dies für die Qualitätszirkel, in denen auch Eltern und Betriebsvertreter mitarbeiten. Die Erfahrung bisher zeigte, dass gerade in diesen Qualitätszirkeln sehr offen gesprochen wurde. An der Wirtschaftsschule wird diese Arbeit vom Elternbeirat stark mitgetragen, der mehrere Elternvertreter stellt, so dass dieser Weg eine wertvolle Ergänzung zur bisher üblichen Elternarbeit darstellt.

Primäres Ziel dieser Phase ist es, dass am Ende je nach Mitgliederzahl des Qualitätszirkels ca. 5 bis 10 Ziele zum bearbeiteten Themenbereich formuliert werden, die dann als Basis für die Verabschiedung eines Leitbildes dienen sollen.

Die Ergebnisse der Arbeit der Qualitätszirkel wurden in Lehrerkonferenzen im Juli 2007 für die Wirtschaftsschule und im April 2008 für die Berufsschule unter externer Moderation dem Kollegium vorgestellt und – mit leichten Änderungen – vom Kollegium verabschiedet.

Im Unterschied zu den bisher üblichen Leitbildern haben wir ein stärker ausdifferenziertes Leitbild erhalten, weil wesentliche Bereiche der Schule nicht nur mit einem einzigen Satz im Leitbild behandelt werden, sondern mit 5 bis 8 Zielformulierungen.

Die bisher verabschiedeten Teile des Leitbildes zeigen, dass in den Zielen viele Impulse für eine Weiterentwicklung in den jeweiligen Entwicklungsschwerpunkten enthalten sind.

Die hier angestrebte Form des Leitbildes wird sukzessive um neue Bereiche erweitert werden. Dabei setzen die vorhandenen personellen Kapazitäten bei den Lehrkräften aber auch bei den Elternvertretern Grenzen für die Einrichtung neuer Qualitätszirkel.

Die Darstellung der eigenen Erfahrungswelt oder Berufslandschaft ist häufig bereits gekoppelt mit Ideen, wie man Dinge verbessern könnte, so dass sozusagen als wertvolles „Abfallprodukt“ dieser Phase bereits eine Vielzahl von Hinweisen auf Maßnahmen festgehalten werden können, die zu einem späteren Zeitpunkt, wenn man sich auf die vorrangig zu bearbeitenden Ziele in Form eines Schulprogramms geeinigt hat, wieder aufgegriffen werden können. Einige dieser Maßnahmen wurden aber auch sofort umgesetzt; daneben wirken die Gespräche und Ziele im Denken der Mitglieder weiter und führen auf diesem Weg zu einem nicht zu unterschätzendem anderen Handeln und Multiplikationseffekt.

Ab Februar 2008 erfolgt im Hinblick auf den Entwicklungsschwerpunkt „Unterrichtsgestaltung“ an der Berufsschule eine Vertiefung in der Weise, dass der Qualitätszirkel I jetzt auf Berufsfeldebene „herunter gebrochen“ werden, um die Ziele des Qualitätszirkels I den speziellen Erfordernisse des jeweiligen Berufsfeldes anzupassen. Wichtig ist uns dabei, dass bei dieser Fortsetzung der Arbeit zum Unterricht unbedingt auch Vertreter der Ausbildungsbetriebe beteiligt werden. Den Anfang macht das Berufsfeld Gastronomie, dessen Qualitätszirkel am 13.2.2008 die Arbeit mit 4 Betriebsvertretern und 5 Lehrkräften unter Leitung der Fachbetreuerin aufgenommen hat. Ebenfalls seit 2008 arbeitet ein Qualitätszirkel zur Unterrichtsentwicklung bei den Bankkaufleuten.

Die externe Evaluation 2008 wurde dann als Hilfsmittel genutzt, um feststellen zu können, bei welchen Zielen unseres differenzierten Leitbildes wir welchen Entwicklungsbedarf haben. Das Ergebnis der externen Evaluation wurde in den Qualitätszirkeln diskutiert und daraus abgeleitet eine Prioritätenbildung innerhalb der Leitbildziele vorgenommen. Diese Ziele bilden unser Schulprogramm für die nächsten 4 Jahre; sie werden vorrangig weiterverfolgt und Maßnahmen hierzu erarbeitet.

Garmisch-Partenkirchen, Juni 2010

Johannes Klucker, OStD
Schulleiter